Vom Kochen in fremden Küchen
Der Plan war einfach. Die Absicht war gut. Selbst die Ausführung gelang besser als befürchtet und wurde gelobt.
Allein der Weg dahin war beschwerlich.
Das bisher heißeste Wochenende des Jahres klang aus und Sonntagabend kam die Frage auf: Was kochen wir denn morgen? Um den hochbetagten Eltern stundenlanges Stehen in der Küche zu ersparen, schlug ich vor: Spaghetti Carbonara. 1000x gekocht, nie ist was schiefgegangen. In max 30 min auf dem Teller.
Vaddern mit klarem Einkaufsauftrag für den passenden Schinken versehen. Ausdrücklich gesagt: keinen geräucherten. Und wenn ihr um 12.30 Uhr essen wollt, dann brauch ich ab 12.00 die Küche für mich. Soweit, so klar, so egal für die Betroffenen.
Wir springen vor auf Montagmittag 12.00 Uhr. Ich komm runter in die Küche. Eigene Pfanne, eigenes Messer,, eigene Spaghetti, Schneidebrett. Was find ich vor?
Vaddern schnibbelt in aller Ruhe seinen Salat. Frau erklärt Muttern warum es trotz Diabetes keine Dinkel-Spaghetti gibt und ich erfahre auf Nachfrage: geräucherter Wacholderschinken.
Drehe genervt den Kopf weg. Auf 5 qm bricht die Hölle los. Drei Leute reden gleichzeitig. Hebe nur abwehrend die Hände, Ruhe kehrt ein. Die Küche leert sich. 12.10 Uhr. Ich darf anfangen zu kochen. Erwische prompt die schwächere Herdplatte fürs Nudelwasser. Arbeite mit Wasserkocher parallel. Schneide Schinken an dem mir zugewiesenen Platz mit angelegten Ellenbogen. Platz ist knapp. Irgendwann ist der Salat geschnitten und ich hab wieder Raum.
Erwartungsgemäß verhält sich der Wacholderschinken anders und ich regel Hitze vorzeitig runter und gebe Nudelwasser dazu. Irgendwann kocht im zu kleinen Topf das Wasser und ich geb Nudeln rein.
Zeit, Eier und Käse zu verarbeiten. Normalerweise sind Nudeln und Soße gleichzeitig fertig. Hier hat ich noch Zeit die Soße weiter aufzuschlagen, weil sehr al dente.
12.45 Uhr. Es wird serviert. Die Soße wurde überraschend cremig. Der Geschmack für mich abweichend. Für die Eltern gut genug für Nachschlag und Rest dabehalten.
Zwischendurch Eltern aus der Küche verscheuchen. Da es hier ums Kochen in fremden Küchen geht, lass ich meine Diagnose außen vor. Fakt ist: Enge Räume, laute Stimmen, Durcheinanderreden, ungewohnte Umgebung sind Dinge, die mich stressen. An guten Tagen komm ich damit klar. An schlechten Tagen kostet es extrem viel Energie und ich komm immer noch klar. Aber ich brauch es einfach nicht.
Das führt dann dazu, dass ich es ab Minute 25 nur noch mit Humor nehmen konnte, aber den Rest des Tages von diesem 45 Min Stunt erschöpft war. Alles kein Drama, aber wenn du eh schon hart am Limit ruderst, kommt das Boot durch solche Kleinigkeiten schnell ins Schaukeln.
Ich kann mich anpassen. Aber mein gesamter Ablauf bei diesem einfachen Rezept ist auf den richtigen Schinken abgestimmt, weil der anders brutzelt als geräucherter. Geschmack mal außen vor. Und auch sonst hab ich ein paar Macken, wie einige wissen, die sich #dasperfektedinner auf bluesky regelmäßig geben...
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